Leider müssen die Veranstaltungen vom November und Dezember auf das nächste Jahr verschoben werden. Genaue Termine werden wir rechtzeitig bekannt geben.

Aktuell möchten wir auf unseren Jahreskalender hinweisen mit Zeichnungen von Petra Kaster und Texten von Martin Stobbe.



Infos und Bestellung
> November <



7.11.2020

Beginn 20.00 Uhr


Ein Abend zur Totentanztradition


Vortrag von Prof.
Reiner Sörries

mit einer Choreographie von
Doria Worden


Mit Prof. Dr. Sörries dürfen wir einen der bekanntesten Spezialisten für Toten- und Bestattungstraditionen in unserer Galerie begrüßen. Prof. Sörries hat zahlreiche Bücher verfasst, war von 1992 bis 2015 Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel und von 1994 bis zu seiner Emeritierung in 2016 apl. Professor für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen.

Die in Hamburg lebende US-Amerikanerin Doria Worden, Künstlerin der Galerie, verarbeitet in ihrer Choreographie die „Tarantella“ von George Balanchine, ein Stück, das ihr aus ihrer Zeit beim Richmond und beim Madison Ballett vertraut ist. Es wird erzählt, dass dieser aus Süditalien stammende, ekstatische Tanz, dazu diente, das Gift aus dem Körper eines von der Tarantel gebissenen Menschen hinaus zu befördern.





14.11..2020

Beginn 20.00 Uhr


Ein Abend zu György Ligeti

„Ligeti und die Bilder“

Vortrag von Prof. Manfred Stahnke

Komponist und musikalischer Vordenker Prof. Manfred Stahnke beschäftigt sich sein Leben lang mit undogmatischen Konzepten und Möglichkeiten einer neuen Klangkunst abseits jeglicher Ideologien– seien es Alternativen zur wohltemperierten Instrumentenstimmung, Querschnitte zwischen Komposition und Improvisation oder auch außereuropäische Volksmusik als Quelle eines neuen Nachdenkens über das Element Rhythmus. Diese Denkansätze verbanden ihn auf das Engste mit seinem Lehrer an der Hamburger Musikhochschule György Ligeti, zweifelsohne einer der großen Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Schwerpunkt des Vortrages von Manfred Stahnke liegt auf Ligetis Faszination für bildende Kunst und das Visuelle an sich, worin er sich durch sein ganzes Schaffen hindurch inspirieren ließ. Manfred Stahnkes Blick auf Ligeti ist ein sehr persönlicher und verbundener, weshalb wir besonders froh sind, ihn in unserer Galerie begrüßen zu dürfen.





20.11. - 13.12.2020

Merabi Danelia

Bilder

Eröffnung am Freitag, dem 20.11.2020 ab 18 Uhr.

Offnungszeiten Samstags und Sonntags 14- 21 Uhr.
An Wochentagen nach Vereinbarung.
Galerie Stobbe • Paidere • Mondot
Kiebitzhof 6, Haus G, 2. Etage



Foto Tobias Hoops
In der Novemberausstellung präsentieren wir Bilder eines jungen Malers, Merabi Danelia, noch Student an der HFBK, in der Klasse von Anselm Reyle.
Er wurde in Kutaisi in Georgien geboren und ist dort in den wilden nachkommunistischen Zeiten groß geworden. In Tiflis studierte er Malerei an der Staatlichen Akademie der Künste und kam 2016 nach Hamburg, um an der HFBK sein Malereistudium zu vervollständigen.
Seit etwas mehr als einem Jahr hat Danelia eine Serie von Bildern hergestellt, die durch ihre Reife und Geschlossenheit fast überraschen bei einem so jungen Maler. Wir freuen uns den Künstler am Anfang seiner Karriere mit einer Auswahl dieser großformatigen Werke das erstemal in einer Einzelausstellung zeigen zu können.
Mächtige, tiefschwarze Querformate treten uns gegenüber, mit unscharfen Rändern, die reliefartige, kohlefarbene Bildmaterie drängt nach außen, über den Rand, quillt aus dem Bild, kraterartige Löcher tun sich auf. Wir dürfen fabulieren, dass es Restprodukte von Naturereignissen sind. Stücke aus Lawafeldern, von Meteoriten zerschundener Mondboden oder vorderasiatischer Steppenboden nach einem großen Feuer. Dokumente von Naturgewalten, uns Betrachtern freigestellte Assoziationsmöglichkeiten.
Aber zunächst ist Danelia ein Maler, bei dem der Malvorgang im Zentrum steht. Er gehört zu den Künstlern, bei denen Material, Machart und Ergebnis nicht voneinander zu trennen sind. Er überlegt sich kein Sujet, hat kein vordergründiges Anliegen, er gehört der alten Tradition an, für die die Logik des Zusammenhangs von Form, Material und Farbe im Vordergrund stehen und das Ergebnis nicht von vorneherein bekannt ist. Er gehört zu den Künstlern, die sich von ihrem Bild das enststehen möchte, führen lassen.
Sein Material sind Kunststoffe, Gips, Metall und Holz. Sein Arbeitsgerät der Bunsenbrenner und die Heißluftpistole. Dann das verbindende Schwarz und bei einigen Bildern ein sparsam eingesetztes, zum Schwarz tendierendes Rot.
Sehr reduzierte Mittel, einfache Materialien, aus denen am Ende ein komplexes, nuancenreiches und fast kostbares Gebilde entsteht. Aus der Distanz betrachtet, tief schwarz, mineralisch und schwer, entwickeln sie aus der Nähe subtile, kaum sichtbare Farbeffekte durch das sich an der Lackschicht und der Reliefstruktur punktförmig brechende Licht. Die Formen beginnen dann zu flie- ßen, geben ihre dynamische Struktur preis, werden organisch. Und werden plötzlich leicht. Als Betrachter erinnert man sich dann, dass es Kulturen gibt, die mit Schwarz keine Trauer, keine Düsternis und Schwere assoziieren, sondern Lebendigkeit und Lebensfreude. Und so wirkt auch der Schöpfer dieser Werke, wenn man mit ihm spricht.
Danelia bringt zwei getrennte Welten zusammen, das Anorganische, Tote und das Organische, Lebendige, oder einfacher, Tod und Leben, die elementarste Basis unserer Existenz. Das macht die archaische Dimension ihrer Wirkung auf den Betrachter aus.
Kunsthistorisch gesehen, reiht sich Danelia in die informellen, gestischen Richtungen ein, die das Spontane, Fließende, das Zusammenhängende der Formen suchen. Und dieses Zusammenfließen der Formen, das Verschmelzen, wird bei Danelia wörtlich genommen und wird bis in die Arbeits„technik“ umgesetzt. Er bringt ganz real seinen Kunststoff zum Fließen, indem er ihn mit der Heißluftpistole auf 600 Grad erhitzt, dessen Aggregatzustand verändert und die entstandene zähflüs- sige Materie bearbeitet. Er verschmilzt ganz real die Formen, die ihm das vorgefundene Material anbietet. Vielleicht ein moderner Mystiker oder Alchemist, wenn es solche noch geben kann.
Aber vor allem wollen diese sehr sinnlichen Bilder nicht besprochen und interpretiert sondern ange- schaut werden, und man darf gespannt sein, was dieser Künstler in den nächsten Jahrzehnten seines Schaffens noch alles an Bildfindungen zu Tage befördern wird.