Galerie Stobbe • Paidere • Mondot
Kommende Veranstaltung:
18. September ab 18.00 Uhr

Gruppenausstellung der Galeriekünstler*innen

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> Dezember <

Jasmine Fan
12.12.2020

Mudra

Nach der Uraufführung im Lichthoftheater am 20.11.2020 zeigen wir an
diesem Abend eine Studioaufführung des Stücks mit einem Vortrag der Künstlerin
über die Entstehungsgeschichte und die gedanklichen Hintergründe,
die zu dem Konzept geführt haben.

Galerie Stobbe • Paidere • Mondot
Kiebitzhof 6, Haus G, 2. Etage

Beginn 20.00 Uhr



Ein Foto aus meiner Kindheit in Taiwan, auf dem ich eine Handgeste zur Schau stelle, eine kryptische Mitteilung an meine Umwelt, bildete den Auslöser für mich, über die Bedeutung von Handgesten nachzudenken.
In einer ersten Überlegung dachte ich an deren Stellenwert in den asiatischen Tanz- und Theaterformen bis hin zu Körpermudras, die ich während meiner Ausbildung in Taiwan kennenlernte. Danach dachte ich an die Gesten in der Alltagskommunikation, an deren Funktion zur Verstärkung und Ergänzung der Sprache, sehr umfangreich im neapolitanischen Raum, an die Gehörlosensprache oder die Gestik mit Statementcharakter in der Jugendkultur, über deren Rolle bei den Protesten in Hong-Kong bis hin zu den Emojis, und dort speziell an die aus dem alten Rom überlieferte, eher makabre Geste, die aus Facebook nicht mehr wegzudenken ist.
Ich wählte den Titel „Mudra“ um die sakralen Ursprünge der Handstellungen in den asiatischen Kulturen in den Vordergrund zu stellen, auch, weil sie immer schon eine wichtige Rolle in meinen Choreographien spielten. Um dann einen Spannungsbogen aufzubauen zu den profanen Erscheinungsformen im gesellschaftlichen Prozess.
Formal geht es mir um eine Harmonisierung dieses kontrastreichen Materials mit den Mitteln von Tanz, von Videoprojektionen, die das Tanzgeschehen aufgreifen, von Licht, von Sprache in Form einer hörspielartig erzählten Fabel und von Musik auf der dramaturgischen Ebene. Auf der choreographischen Ebene um die Verbindung von statischen und dynamischen Elementen. Inhaltlich ganz allgemein um eine Harmonisierung der asiatischen Weltbilder mit den europäischen, etwas, das mich bis in meinen Alltag hinein beschäftigt und immer schon ein zentrales Anliegen meiner Arbeiten ist, seitdem ich in Europa studierte. Die Harmonisierung dieser Polarität drückt sich auch in der Wahl der beiden Tänzerinnen aus, von denen eine aus Asien und eine aus Europa stammt.
Mit Schlegels Worten, „das Unendliche mit dem Endlichen vermählen“.